Schmerzen erkennen und richtig behandeln

Natürlich hoffen wir, dass unsere Hunde und Katzen ein langes und gesundes Leben führen dürfen. Leider können unsere Tiere durch Erkrankungen, Verletzungen oder Operationen Schmerzen bekommen. Auch neurologische Erkrankungen, wie ein Bandscheibenvorfall oder eine Entzündung der Bandscheibe, können sehr schmerzhaft sein. Eine gute Schmerztherapie ist daher ein wichtiger Bestandteil einer guten tiermedizinischen Versorgung.

Mögliche Anzeichen von Schmerzen bei Ihrem Hund oder Ihrer Katze sind:

  • Unruhe oder häufiges Wechseln der Liegeposition
  • Rückzug oder weniger Interesse an der Umgebung
  • Bewegungsunlust oder Schwierigkeiten beim Aufstehen oder Treppensteigen
  • Lahmheit oder eine veränderte Körperhaltung
  • Hecheln, Zittern oder angespannte Muskulatur
  • Empfindlichkeit beim Berühren
  • verminderter Appetit oder Veränderungen des Schlafverhaltens

Bei Katzen können die Anzeichen noch subtiler sein. Sie ziehen sich häufig zurück, verstecken sich, bewegen sich weniger, springen nicht mehr wie gewohnt oder pflegen ihr Fell weniger. Auch eine gekrümmte Körperhaltung, Unruhe oder Abwehr beim Berühren können auf Schmerzen hinweisen.

Glücklicherweise gibt es auch Hilfsmittel, die dabei helfen können, Schmerzen bei Ihrem Haustier zu erkennen:

Die Glasgow Pain Scale (CMPS-SF) wurde ursprünglich für die Anwendung in der Klinik entwickelt,
kann aber auch von Tierbesitzern genutzt werden, um Schmerzen zu Hause besser zu erkennen. 

Es gibt auch eine App, die dabei helfen kann, Schmerzen bei Katzen zu erkennen:
Feline Grimace Scale (FGS)

Auch nach einer Operation ist eine gute Schmerztherapie von großer Bedeutung.

Schmerzen können die Genesung beeinträchtigen. Wenn Schmerzen über längere Zeit bestehen, kann das Nervensystem zudem empfindlicher auf Schmerzreize reagieren. Deshalb sollte eine begonnene Schmerztherapie auch zu Hause entsprechend den Anweisungen der Tierärztin oder des Tierarztes fortgeführt werden.

Welche Schmerzmittel gibt es?

Es gibt nicht ein Schmerzmittel, das für jeden Hund oder jede Katze geeignet ist. Die Wahl hängt unter anderem von der Ursache und der Stärke der Schmerzen ab. Einige häufig verwendete Schmerzmittel möchten wir hier kurz vorstellen:

 


 

Entzündungshemmende Schmerzmittel – NSAIDs

NSAIDs (nichtsteroidale Entzündungshemmer) gehören zu den am häufigsten eingesetzten Schmerzmitteln bei Hunden und Katzen. Beispiele sind Carprofen, Meloxicam und Robenacoxib. Sie wirken sowohl schmerzlindernd als auch entzündungshemmend. Mögliche Nebenwirkungen sind insbesondere Magen-Darm-Beschwerden wie Erbrechen, Durchfall und verminderter Appetit. Bei Tieren mit Erkrankungen der Nieren, Leber oder des Magen-Darm-Traktes ist besondere Vorsicht erforderlich. NSAIDs dürfen außerdem nicht mit anderen Entzündungshemmern kombiniert werden.

 


 

Paracetamol – in bestimmten Situationen bei Hunden

Paracetamol ist beim Menschen ein bekanntes Mittel gegen Schmerzen und Fieber. Bei Hunden kann es in der richtigen Dosierung und unter tierärztlicher Kontrolle in bestimmten Situationen eine wertvolle Ergänzung der Schmerztherapie darstellen. Paracetamol wirkt hauptsächlich zentral, also im Nervensystem, und hat nur eine begrenzte entzündungshemmende Wirkung. Daher kann es sinnvoll sein, dieses Medikament in bestimmten Situationen mit einem NSAID zu kombinieren.
In unserer klinischen Studie untersuchten wir Paracetamol als Bestandteil einer multimodalen Schmerztherapie bei Hunden nach einer Operation aufgrund eines thorakolumbalen Bandscheibenvorfalls. Paracetamol wurde dabei mit einem NSAID und einem Opioid kombiniert, ohne dass schwerwiegende Nebenwirkungen festgestellt wurden. Paracetamol darf jedoch niemals eigenständig einem Tier verabreicht werden.

Mögliche Nebenwirkungen einer zu hohen Dosis sind unter anderem Magen-Darm-Beschwerden, Blutarmut und Leberschäden. Bei Katzen darf Paracetamol überhaupt nicht angewendet werden! Aufgrund ihres besonderen Leberstoffwechsels können sie den Wirkstoff nicht ausreichend sicher abbauen und sind daher besonders empfindlich gegenüber Vergiftungen.

 


 

Medikamente gegen neuropathische Schmerzen
Gabapentin und Pregabalin

Bei neurologischen Erkrankungen können neuropathische Schmerzen entstehen, wenn Nerven geschädigt oder übererregt sind. Gabapentin und Pregabalin können die Weiterleitung von Schmerzsignalen im Nervensystem vermindern und werden daher regelmäßig bei dieser Art von Schmerzen eingesetzt.

Mögliche Nebenwirkungen sind Müdigkeit und Koordinationsstörungen (Ataxie). Deshalb wird häufig mit einer niedrigen Dosis begonnen und diese bei Bedarf schrittweise angepasst. Je nach Erkrankung können diese Medikamente als Bestandteil einer multimodalen Schmerztherapie mit anderen Schmerzmitteln kombiniert werden. Wichtig ist, diese Medikamente nicht plötzlich abzusetzen, sondern die Dosis schrittweise zu reduzieren, um Absetzsymptome zu vermeiden.

 


 

Tramadol

Tramadol ist ein zentral wirkendes Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide und kann bei Hunden und Katzen bei bestimmten akuten und chronischen Schmerzen eingesetzt werden. Die Wirksamkeit hängt stark von der Art des Schmerzes ab. Bei Gelenkschmerzen beim Hund ist Tramadol beispielsweise weniger wirksam, als früher angenommen wurde.

Mögliche Nebenwirkungen sind unter anderem Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen und vermehrter Speichelfluss. Die Tabletten haben außerdem einen bitteren Geschmack, was die Verabreichung manchmal erschweren kann. Bei Tieren mit epileptischen Anfällen ist besondere Vorsicht erforderlich. Zudem können Wechselwirkungen mit bestimmten Medikamenten auftreten, die den Serotoninhaushalt beeinflussen.

 


 

Bei schmerzhaften Muskelkrämpfen – Methocarbamol

Bei starken neurologischen Schmerzen können auch Muskelkrämpfe auftreten. Methocarbamol ist ein zentral wirkendes Muskelrelaxans, das übermäßige Nervenimpulse reduziert und dadurch schmerzhafte Muskelkrämpfe lindern kann.

Mögliche Nebenwirkungen sind unter anderem Müdigkeit, vermehrter Speichelfluss, Übelkeit und Erbrechen.

 


 

Und wie sieht es mit Kortison aus?

Kortison (Glukokortikoide) hat eine starke entzündungshemmende Wirkung und ist bei verschiedenen Erkrankungen sehr hilfreich. Als Schmerzmittel ist es jedoch in der Regel nicht die erste Wahl. Wenn Schmerzen im Vordergrund stehen, sind andere Medikamente für eine gezielte Schmerzbehandlung meist besser geeignet.

 


 

Die richtige Schmerztherapie ist für jedes Tier individuell

Es gibt also nicht ein Schmerzmittel, das für jeden Hund oder jede Katze geeignet ist. Die beste Behandlung hängt von der Ursache und Stärke der Schmerzen, dem Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Tieres, möglichen Begleiterkrankungen sowie den anderen Medikamenten ab, die das Tier erhält.
Bei vielen Erkrankungen ist es sinnvoll, verschiedene Medikamente mit unterschiedlichen Wirkmechanismen zu kombinieren. Dies wird als multimodale Analgesie bezeichnet. Ziel ist es, die Schmerzen möglichst gut zu kontrollieren und gleichzeitig die Belastung und möglichen Nebenwirkungen einzelner Medikamente zu reduzieren.

Das Wichtigste ist daher: Geben Sie Ihrem Hund oder Ihrer Katze niemals eigenständig Schmerzmittel aus der Humanmedizin oder übrig gebliebene Medikamente eines anderen Tieres. Manche Medikamente, die für Menschen sicher sind, können für Hunde und insbesondere für Katzen gefährlich sein.

Haben Sie den Eindruck, dass Ihr Hund oder Ihre Katze Schmerzen hat? Dann wenden Sie sich bitte an Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt.

Eine frühzeitige und individuell angepasste Schmerztherapie kann einen wichtigen Beitrag zur Genesung und zu einer möglichst guten Lebensqualität Ihres Tieres leisten.