Die Frühsommermeningoenzephalitis, beim Hund auch unter dem Namen zentraleuropäische Zeckenenzephalitis bekannt, ist eine in Europa weit verbreitete Viruserkrankung (europäischer Subtyp des Flavivirus), die unter Anderem Hunde, Pferde und auch Menschen betreffen kann. In den letzten Jahrzehnten bestand eine 400%ige Steigerung der Morbidität von FSME, was dieser Erkrankung eine sehr wichtige endemische Rolle gibt. 

Virusübertragung

Übertragen wird das Virus über Ixodes und Dermacentor Zecken. Hierbei ist wichtig zu bemerken, dass das Virus sich direkt in der Speicheldrüse der Zecke befindet und innerhalb einer Stunde nach dem Biss übertragen wird. Beim Säugetier hat das Virus eine starke Präferenz für neuronales Gewebe. Meistens verläuft die Erkrankung beim Hund asymptomatisch. Sie kann allerdings auch perakut (tödlich in 3-7 Tagen), akut (Remission in 1-3 Wochen) oder chronisch (Regernation über mehrere Monate mit möglichen Langzeitfolgen) sein. Hauptsächlich befällt das Virus die graue Substanz des ZNS, vor allem den Hirnstamm, das Cerebellum und das ventrale Horn des Rückenmarks. 

Die Symptome

Die Symptome sind weitreichend. Allgemeine unspezifische Symptome wie Hyperthermie, Apathie und Inappetenz können erste Anzeichen der Erkrankung sein und gehen der neurologischen Symptomatik voraus. Neurologische Auffälligkeiten wie Ataxie, vestibuläre Symptome, cervikale Schmerzen, Plegie oder Parese der Gliedmaße(n), Hirnnerven Defizite, propriozeptive Defizite oder auch Anfälle bis hin zum lebensbedrohlichen Status epilepticus können sich dann in unterschiedlichen Schweregraden entwickeln.

Die Diagnose

Die Diagnose erfolgt über die vergleichende Messung der FSME-Antikörper im Blut und Liquor. Diese können in endemischen Gebieten, wie Bayern, auch asymptomatisch positiv sein. Wichtig ist es hier zwischen den frühen Antikörpern (IgM) und den Langzeitantikörpern (IgG) zu unterscheiden, sowie die Titerhöhe im Serum und Liquor zu vergleichen. Der tatsächliche akute Virusnachweis erfolgt im Liquor über die PCR-Messung. Allerdings kann dieser in der späteren Phase, wenn die neurologischen Symptome auftreten, oft nicht mehr nachgewiesen werden („viral clearance“). In der Liquorzytologie zeigt sich häufig eine lymphozytäre oder mononukleäre Pleozytose.

Eine weitere Möglichkeit der Diagnostik besteht in der Bildgebung. Im MRT können bilaterale symmetrische Läsionen der grauen Substanz, vor allem in dem Ventralhorn des Rückenmarks der Halswirbelsäule, dem Thalamus, Hippocampus, Hirnstamm und den Basal Nuclei gefunden werden. Diese Läsionen sind T2- und FLAIR-hyperintens und T1- iso- oder hypointens und bilateral symmetrisch angeordent. (K. Beckmann et al., Schweizer Archiv für Tierheilkunde Band 156, Heft 8, August 2014, 395 – 399) Häufig ist die Bildgebung aber unauffällig. Somit schließt eine unauffällige MRT Untersuchung bei einer entsprechenden klinisch-neurologischen Symptomatik das Vorliegen einer FSME nicht aus und weiterführende Liquor- und Serum Untersuchungen sollten bei Verdacht immer eingeleitet werden. 

Die Behandlung

Die Behandlung ist aktuell nur symptomatisch möglich, zum Beispiel durch Entzündungshemmung, Antiepileptika, Infusionstherapie und Physiotherapie. Die Prognose ist abhängig vom Schweregrad der Symptome; insbesondere bei Auftreten von Clusteranfällen bzw Status epilepticus ist eine schlechteres Outcome beschrieben. Laut einer Studie aus der Schweiz („Canine Tick-Borne Encephalitis: Clinical Features, Survival Rate and Neurological Sequelae: A Retrospective Study of 54 Cases (1999-2016)“ von C. Kleeb und F. Steffen) ist die Todesrate bei symptomatischen Patienten bei bis zu 33%.

Langzeitfolgen sind in ca. 17% der Fälle beschrieben, dazu gehören eine Fazialisparese, zervikale Schwäche durch eine Poliomyelitis, Anfälle und Hinterhandschwäche.
Präventiv ist es sehr wichtig, seinen Patientenbesitzern  Zeckenprophylaxen zu empfehlen, die entweder Zecken abweisen oder abtöten. Eine Impfung, wie beim Menschen, gegen FSME gibt es -> für Hunde noch nicht. Allerdings gibt es bereits mehrere erfolgreiche Studien (z.B. „Efficacy and immunogenicity of a veterinary vaccine candidate against tick-borne encephalitis in dogs“ von J. Salat und D. Ruzek von August 2023), die eine Vakzine in der Zukunft erhoffen lassen.