Das Idiopathische generalisierte Tremorsyndrom (IGTS) – auch als „Little White Shaker Syndrome“ oder auch Zerebellitis (Entzündung des Kleinhirns) bezeichnet – ist eine neurologische Erkrankung bei Hunden, die durch generalisiertes Zittern (Tremor) des gesamten Körpers gekennzeichnet ist.
Der Begriff „idiopathisch“ bedeutet, dass keine eindeutige Ursache bekannt ist.
Die Erkrankung betrifft das zentrale Nervensystem, insbesondere das Kleinhirn und tritt meist plötzlich auf.
Vorkommen
IGTS wurde ursprünglich vor allem bei kleinen, weißen Hunderassen beschrieben, weshalb der umgangssprachliche Name „Little White Shaker Syndrome“ entstand. Typische Rassen sind beispielsweise Malteser, West Highland White Terrier oder Pudel. Heute weiß man jedoch, dass Hunde aller Farben und Rassen betroffen sein können. Am häufigsten tritt die Erkrankung bei jungen bis mittelalten Hunden auf, typischerweise im Alter zwischen 6 Monaten und etwa 5 Jahren.
Symptome
Das Hauptsymptom der Erkrankung ist ein starker, rhythmischer generalisierter Tremor. Die Intensität kann variieren und wird häufig stärker, wenn der Hund aufgeregt ist, sich bewegt, versucht zu stehen oder zu laufen. In Ruhe und während des Schlafes zeigen die betroffenen Hunde keinen Tremor. Zudem nimmt der Tremor in der Regel progressiv im Verlauf der Erkrankung (meist innerhalb weniger Tage) deutlich zu, bis ein Plateau erreicht ist. Hinzu kommen häufig weitere, vor allem vestibuläre Symptome. Auch eine erhöhte Körpertemperatur ist möglich. Im Vorfeld der Erkrankung werden bei einem Bruchteil der Patienten zudem gastrointestinale Symptome beobachtet.
Das Bewusstsein des Hundes bleibt in der Regel normal, und die Tiere sind meist aufmerksam.
Ursache
Die genaue Ursache des IGTS ist bislang nicht vollständig geklärt. Eine autoimmunbedingte Entzündung im zentralen Nervensystem, insbesondere im Bereich des Kleinhirns, wird vermutet. Dabei greift das Immunsystem möglicherweise fälschlicherweise eigene Nervenzellen an. In einer in 2024 veröffentlichten Studie wurden neuronale Antikörper im Serum und im Liquor betroffener Hunde analysiert. Nicht bei allen Patienten konnten neuronale Antikörper festgestellt werden, allerdings zeigten sich die Patienten bei denen Antikörper detektiert wurden, mit Hyperthermie (erhöhte Körpertemperatur) und deutlichen Veränderungen des Gehirnwassers.
Diagnose
Die Diagnose erfolgt meist durch Ausschluss anderer Erkrankungen, da es keinen spezifischen Test für IGTS gibt. Es werden daher verschiedene Untersuchungen durchgeführt:
• Allgemein klinische und neurologische Untersuchung
• Vollständige Blutuntersuchungen
• Untersuchung des Liquor cerebrospinalis (Gehirnwasser)
• Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes, um andere Erkrankungen auszuschließen
Diese Untersuchungen verlaufen bei IGTS großteils unauffällig. In der Liquoruntersuchung können Veränderungen wie eine erhöhte Zellzahl (Pleozytose) oder erhöhtes Protein festgestellt werden, aber auch diese Untersuchung kann unauffällig verlaufen.
Behandlung
Nach erfolgter Diagnose wird eine immunsuppressive Therapie gestartet. Die Erkrankung spricht in vielen Fällen sehr gut auf Glukokortikosteroide an. Diese Medikamente wirken entzündungshemmend und unterdrücken das Immunsystem. Häufig zeigen Hunde innerhalb weniger Tage eine deutliche Verbesserung der Symptome und kehren zum Normalzustand zurück. Die Medikamente werden dann über mehrere Wochen langsam ausgeschlichen, mit dem Ziel die Therapie vollständig absetzen zu können.
Gerade am Anfang der Therapie kann es notwendig sein, zusätzliche beruhigende Medikamente wie beispielsweise Diazepam anzuwenden, um den Tremor symptomatisch zu reduzieren, bis die immunsuppressive Therapie ihre Wirkung ausreichend zeigt.
Prognose
Die Prognose ist in den meisten Fällen gut. Viele Hunde erholen sich vollständig innerhalb weniger Wochen nach Beginn der Therapie. Rückfälle sind jedoch in etwa 20% möglich und zeigen sich entweder schon während der Reduktion der Glukokortikosteroide oder nach dem Absetzen der Medikamente.
Zusammenfassung
Das Idiopathische generalisierte Tremorsyndrom ist eine seltene, aber gut behandelbare neurologische Erkrankung beim Hund, die sich vor allem durch starken Ganzkörpertremor äußert. Obwohl die genaue Ursache unbekannt ist, führt eine frühzeitige tierärztliche Behandlung meist zu einer raschen und vollständigen Genesung.